Wovor Menschen am meisten Angst haben? Neben Krankheit und Arbeitslosigkeit besonders vor der Einsamkeit.

Vielleicht sind ihre spontanen Gedanken: „Ich bin gern allein“ bzw. wer kennt als Mutter oder Vater nicht die Sehnsucht, auch mal allein sein zu wollen.

Doch ist Alleinsein und Einsamkeit dasselbe?

Alleinsein kann durchaus auch eine Entscheidung sein. Ein gewollter Rückzug? Die Entscheidung allein wandern zu gehen, an einem ungestörten Ort ein Buch lesen…

Die andere Seite ist das ungewollte Alleinsein: Trennung, Verlust eines Menschen, Wohnortwechsel. Ein soziales Phänomen, welches trotzdem nicht unbedingt mit dem psychologischen Phänomen Einsamkeit Hand in Hand gehen muss.Beides kann unabhängig voneinander bestehen:
Alleinsein, ohne einsam zu sein.
Einsam, inmitten von Menschen.

Kennen Sie das Gefühl? Sie sind unter Menschen, in einer Gruppe; von außen betrachtet, scheint alles in Ordnung, doch ihre subjektive Wahrnehmung sagt etwas anderes: keine soziale Verbindung, Sinnlosigkeit, Einsam fühlen zwischen all den Menschen.

Auch in einer Ehe, in einer Partnerschaft, innerhalb der Familie kann ein Gefühl von Einsamkeit entstehen.
Vor kurzem war ein junger Mann, der sich in einer festen Partnerschaft befindet, bei mir in der Praxis und auf meine Frage, ob er einsam sei, hat er erst mit einer Gegenfrage geantwortet: „Meinen Sie einsam oder allein?“ „Ich meine einsam.“ Darauf der junge Klient: „Das ist es… ich bin zwar nicht allein, trotzdem fühle ich mich so unglaublich einsam. Mit einer Last, die nur ich trage und das macht mich unglücklich.“

Es besteht eine Kluft zwischen dem, was wir wollen – Nähe, Verbundenheit, Zugehörigkeit, Vertrauen – und der Realität.

Wenn wir diese Diskrepanz beachten, dem Gefühl Aufmerksamkeit schenken und nicht auch noch Energie verschwenden, um es zu ignorieren, sind wir imstande, etwas dagegen zu tun.

Denn Augen verschließen und hoffen, dass es vorbei geht, hilft selten. Darüber reden, die eigenen Bedürfnisse erkennen und erfüllen lernen – das kann helfen.
Eis, Chips und Schokolade helfen sicherlich auch – allerdings nur kurzfristig und wer möchte sich denn tatsächlich für „Einsam, bewegungslos, ungesund“ entscheiden?

Wir haben dieses Jahr alle eine ungewöhnliche Zeit mitgemacht – andere mehr, andere weniger. Für einige positiver, wieder andere mussten nach den positiven Effekten eher suchen.

Bei vielen war diese Zeit mit Alleinsein und/oder Einsamkeit verbunden. In Verbindung damit auch der Verlust von körperlicher Nähe, ein Grundbedürfnis, welches vielen Menschen erst bewusst wird, wenn es nicht mehr selbstverständlich ist. Vor allem ältere Menschen, deren Partner verstorben oder im Heim ist und sie sich nicht sehen durften, hatten es in dieser Zeit oftmals unglaublich schwer. Keine Umarmungen, keine Berührungen.

Doch Einsamkeit betrifft nicht nur ältere Menschen, auch junge können davon betroffen sein. Und da hat der stetige Medienkonsum sicherlich eine starke Bedeutung: chatten, zocken, netflix, anstatt echter Kontakte.

Etwas gegen Einsamkeit und Alleinsein zu tun, heißt Eigenverantwortung. Das soll nicht heißen, dass wir uns keine Unterstützung holen können – nur die Entscheidung und den Willen etwas dagegen zu tun, da darf jeder bei sich anfangen.

Es gibt Vereine, es gibt Volkshochschulen und andere Institutionen, die Kurse jeglicher Art anbieten, die es uns erleichtern mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen. Und – Warum nicht?

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